Natur der vierten Art

Vom toten Industriegebiet zum blühenden Dschungel

 

Ganztägiges pflanzen-, pilz-, und bodenkundliches Seminar (vormittags Vortrag, nachmittags Exkursion)
Kurs­lei­tung:
  Det­lev Dahl­mann und Dirk Har­mel 

Nächs­ter Ter­min: 03.06.2018
Tref­fen: 10:00 h am S-Bhf. Priesterweg, südlicher Ausgang
En­de: 18:00 h am am S-Bhf. Priesterweg
Min­dest­teil­neh­mer­zahl: 10 Per­so­nen am 27.05.2018

Zur Buchung

Fernbahntrasse und Wasserturm
Fernbahntrasse und Wasserturm

   Wo heu­te der Natur-Park Schö­ne­ber­ger Süd­ge­län­de ein Land­schafts- und Na­tur­schutz­ge­biet bil­det, be­fan­den sich noch vor we­ni­gen Jahr­zehn­ten die Fern­bahn­tras­sen der An­hal­ti­ni­schen und Dresd­ner Ei­sen­bahn so­wie der Ran­gier­bahn­hof Tem­pel­hof und ein Bahn­be­triebs­werk. Mit der Schlie­ßung des An­hal­ter Bahn­hofs im Jahr 1952 wur­de der Groß­teil des Ran­gier­bahn­hofs still­ge­legt. Doch wur­de hier da­nach kei­nes­wegs, wie der Na­me Park ver­mu­ten lässt, von Men­schen­hand eine Land­schaft künst­lich ge­stal­tet, sondern einzig von der Natur. Die Flä­che wur­de sich selbst über­las­sen und so hat sich seit den 60er-Jah­ren die Na­tur das Bahnge­län­de zu­rück er­obert, mit einer ein­zig­ar­ti­gen Ar­ten­viel­falt auf kleins­tem Raum.

Europäische Gottesanbeterin
Europäische Gottesanbeterin

    Auf den Flä­chen mit den in Ber­lin und Bran­den­burg üb­li­chen sau­ren Quarz­sand­bö­den ha­ben sich schnell Flech­ten, Grä­ser und Kräu­ter an­ge­sie­delt und da­mit die Pflan­zen­ge­sell­schaft des so­ge­nann­ten Sand-Troc­ken­ras­ens be­grün­det. Schnell ha­ben sich dann auch Pio­nier­bäu­me mit vom Wind ge­tra­ge­nen Sa­men wie Wald-Kie­fer, Hän­ge-Bir­ke, Es­pe und Ro­bi­nie an­ge­sie­delt. Vö­gel und Klein­säu­ger, die auf dem jun­gen, von Men­schen sel­ten be­tre­te­nen Vor­wald idea­le Le­bens­be­din­gungen fan­den, ha­ben bald die nuss­ar­ti­gen Sa­men von Bu­chen, Ha­seln und wei­te­ren Bäu­men "ein­ge­schleppt" und da­mit den Kli­max­wald an­ge­sto­ßen.

Mauerwein und Nachtkerzen
Mauerwein und Nachtkerzen

   Was sich hier in­ner­halb we­ni­ger Jah­re und Jahr­zehn­te er­eig­ne­te, ist in gro­ßen Tei­len Eu­ro­pas ge­nau so nach der letz­ten Eis­zeit ge­sche­hen. Nur hat­te es da­mals lan­ge ge­dauert, bis sich Kli­max­ge­sell­schaf­ten ent­wic­kelt ha­ben und so kön­nen wir hier die letz­ten 20.000 Jah­re im Zeit­raf­fer an­schau­en. Durch die vor­he­ri­ge in­dus­tri­el­le Nut­zung des Ge­län­des gibt es auch zahl­rei­che Area­le mit hier­zu­lan­de sel­te­nen Lehm- und Kalk­bö­den, auf de­nen sich ganz an­de­re Pflan­zen­ge­sell­schaf­ten ge­bil­det ha­ben. Wir fin­den da­her oft­mals auf nur we­ni­gen Me­tern ei­ne ganz ver­schie­den­ar­ti­ge Ve­ge­ta­ti­on. Idea­le Be­din­gun­gen al­so, um in ei­nem ein­tä­gi­gen Se­mi­nar die Grund­la­gen der Pflan­zen- und Bo­den­kun­de zu ler­nen.

Kiefern-Habichtspilz
Kiefern-Habichtspilz

   Frü­her noch als die Pio­nier­bäu­me wa­ren ent­lang der Schie­nen Ap­fel- und Birn­bäu­me zu fin­den, was für Ru­de­ral­flä­chen ei­gent­lich un­ge­wöhn­lich ist. Die­ses und wei­te­re Ge­heim­nis­se, so bei­spiels­wei­se das der Pil­ze, wol­len wir heu­te lüf­ten. Die frü­her auch Kryp­to­ga­men (im Ge­hei­men blü­hen­de Pflan­zen) ge­nann­ten We­sen, zäh­len, so weiß man heu­te, kei­nes­wegs zu den Pflan­zen, son­dern bil­den ein ei­ge­nes Reich und sind nä­her mit Tie­ren ver­wandt. Heu­te heißt man sie ger­ne die heim­li­chen Herr­scher des Wal­des, denn sie sind es, die es den Pflan­zen erst er­mög­li­chen, zu wach­sen, als Ge­sund­heits­po­li­zei die kran­ken und schwa­chen Bäu­me schnell aus dem Bio­top ent­fer­nen und to­tes or­ga­ni­sches Ma­te­ri­al schließ­lich auf­schlie­ßen und de­ren Nähr­stof­fe da­mit wie­der dem Kreis­lauf des Le­bens zu­rück füh­ren.

   Det­lev Dahl­mann, der in Ko­ope­ra­ti­on mit dem BUND Ber­lin re­gel­mä­ßig Füh­run­gen auf dem Süd­ge­län­de durch­führt und ich freu­en uns, Ih­nen das in Ber­lin ein­zig­ar­ti­ge Ha­bi­tat mit sei­nen vie­len ver­schie­de­nen Pflan­zen­ge­sell­schaf­ten nä­her brin­gen zu dür­fen, wel­ches auch ein Pa­ra­dies für vie­le heu­te sel­ten ge­wor­de­ne Rep­ti­li­en, Säu­ge­tie­re und Vö­gel ist. Letz­te­re wer­den hier übri­gens auch auf den re­gel­mä­ßi­gen Füh­run­gen von Son­ja Dahl­mann vor­ge­stellt.