Das Ge­hei­me Le­ben der Bäu­me

Ei­ne li­te­ra­risch-bo­ta­nisch-ku­li­na­ri­sche Rei­se auf den Spu­ren von Schil­ler über Tol­kien bis Wohl­le­ben

 

Ex­kur­si­ons­lei­ter: Ro­land Schulz und Dirk Harmel

Nächs­ter Ter­min:

13.08.2017
Be­ginn: 11:00 h
Treff­punkt: PKW-Park­platz, Ga­brie­len­str. 72, 13507 Ber­lin
Dauer: ca. 5 h inkl. 1 h Pause

Die An­rei­se geht gut mit der U-Bahn-Li­nie 6 bis Bhf. Alt-Te­gel. Von dort sind es zu Fuß 15 min zum Treff­punkt, an wel­chem Sie ei­nen Park­platz fin­den, falls Sie mit Au­to kom­men.

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Schiller liest "Die Räuber" vor

   Die Deut­schen ha­ben ein ganz be­son­de­res Ver­hält­nis zu ih­rem Wald und dies nicht erst seit der Ro­man­tik. Die Va­rus­schlacht im Teu­to­bur­ger Wald führ­te zur ers­ten Ver­ei­ni­gung der ger­ma­ni­schen Stäm­me und wur­de zum na­mens­ge­ben­den Grün­dungs­my­thos der „Teut­schen“. Den­noch blieb der Wald bis zur Auf­klä­rung ein mys­ti­scher Hort des Schrec­kens, Le­bens­raum von He­xen, Ko­bol­den und an­de­ren bö­sen Geis­tern. Doch auch nach­dem Kant und Nietz­sche mit dem (Aber-)Glau­ben auf­ge­räumt hat­ten, än­der­te sich wenig. Statt Fa­bel­we­sen be­völ­ker­ten nun Räu­ber den Wald, der be­kann­tes­te un­ter ih­nen Ni­col List, des­sen Le­ben Schil­ler zu sei­nem Dra­ma Die Räu­ber ins­pi­rier­te.

 

 

Zwei Männer in Betrachtung des Mondes
Zwei Männer in Betrachtung des Mondes

   Mit der Ro­man­tik wur­de das Bild des Wal­des dann um­ge­deu­tet und ver­klärt. Grund hier­für ist die zu­neh­men­de Ur­ba­ni­tät durch die In­dus­tria­li­sie­rung, wo­durch die Na­tur nun nicht mehr als all­ge­gen­wär­ti­ge Be­dro­hung, son­dern als schwer er­reich­ba­res Gut wahr­ge­nom­men wur­de.

   Aus die­ser Epo­che sind uns die Bil­der von Cas­par Da­vid Fried­rich vor Au­gen, Hein­rich Hei­nes Ge­dich­te las­sen sie auf dem Pa­pier le­ben­dig wer­den. Noch lan­ge nach dem fin de sièc­le fin­den wir ro­man­ti­sche Dar­stel­lun­gen des Wal­des bei Her­mann Hes­se, J.R.R. Tol­kien und vie­len wei­te­ren Schrift­stel­lern, Ma­lern und Künst­lern an­de­rer Gen­res.

 

 

Pfifferling im Kiefernforst
Pfifferling im Kiefernforst

   Doch wäh­rend der Wald mit der In­dus­tria­li­sie­rung Ein­gang in die Her­zen der Men­schen fand, wur­de er von die­sen von ei­nem Ort viel­fäl­ti­gen Le­bens in ei­ne Mo­no­kul­tur ver­wan­delt, in der nur noch Pro­duk­ti­vi­tät eine Rol­le spielt. In Bran­den­burg ken­nen wir die all­ge­gen­wär­ti­gen Kie­fern­fors­te, in mon­ta­nen Ge­gen­den wer­den sie von Fich­ten ab­ge­löst. Kaum ein Kä­fer, ein Vo­gel oder ein Pilz fin­det hier noch das, was er zum Le­ben braucht. Erst als die Na­tur in Form des Bor­ken­kä­fers zu­rück schlug, er­kann­te man die Feh­ler im Sys­tem. Gan­ze Hän­ge des Baye­ri­schen Wal­des fie­len ihm zum Op­fer, hat­te er doch leich­tes Spiel in­mit­ten der nicht mehr wi­der­stands­fä­hi­gen Fors­te. Glück­li­cher­wei­se setz­ten sich an­schlie­ßend die Stim­men durch, die ge­gen ei­ne Wie­der­auf­fors­tung mit Fich­ten mahn­ten. Heu­te ent­steht dort wie­der ein rich­ti­ger Wald mit viel­fäl­ti­gen Baum­ar­ten, in dem auch das Tot­holz lie­gen blei­ben darf und die Wie­ge für Schlupf­wes­pe, Schwarz­specht und Stock­schwämm­chen bil­det.

 

 

Dicke Marie (Bild von Havelbaude)
Dicke Marie (Bild von Havelbaude)

   In sei­nem Buch DAS GE­HEI­ME LE­BEN DER BÄU­ME er­zählt uns Pe­ter Wohl­le­ben vom Er­folgs­re­zept des Wal­des. Die Bäu­me da­rin sind kei­ne Ein­zel­kämp­fer, die nur um ei­nen Platz an der Son­ne rin­gen, son­dern so­zia­le We­sen, die erst in der Ge­mein­schaft stark wer­den. Sie kom­mu­ni­zie­ren mit­hil­fe von Pil­zen und bil­den so Al­lian­zen ge­gen den An­griff von holz­fres­sen­den In­sek­ten, wel­che hier je­doch ih­rer­seits nicht als Schäd­lin­ge, son­dern als Glie­der der Nah­rungs­ket­te in ei­ner in­tak­ten Na­tur wahr­ge­nom­men wer­den. Die Ber­li­ner sind Vor­rei­ter in der na­tur­na­hen Ge­stal­tung ih­rer Fors­te. Nach FSC und Na­tur­land zer­ti­fi­ziert, müs­sen hier auf 10 % ih­rer Flä­che jeg­li­che Ein­grif­fe un­ter­blei­ben. Wir se­hen uns die­se Re­fe­renz­flä­chen an und be­su­chen na­tür­lich auch die Dic­ke Ma­rie, ei­ne ca. 900-jäh­ri­ge Ei­che mit ei­nem Durch­mes­ser von über 2 m.

 

   So­viel Kul­tur und Na­tur macht hung­rig, des­halb gibt es zur Halb­zeit ein Pick­nick mit fri­schem Ba­guet­te und – pas­send zur Mys­tik - selbst­ge­mach­tem Pes­to aus He­xen-Röhr­lin­gen so­wie Bau­ern­brot mit Wurst und Schin­ken vom Gut Ker­kow. Zur geis­ti­gen Stär­kung wird Ber­li­ner Wei­ße mit 12 Jah­re al­tem Ho­lun­der­blü­ten-Si­rup ge­reicht. Bit­te brin­gen Sie eine Dec­ke oder Kis­sen zum Sit­zen mit, Sie kön­nen die­se wäh­rend der Ex­kur­si­on im Au­to der Ex­kur­si­ons­lei­ter las­sen.

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